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Hamburg - Sonntag, 20.05.2012

Ärzte nehmen Stellung zu Gunsten des Status Quo

Größerer Systemwechsel nicht zu erwarten

Wer die Diskussionen um die private Krankenversicherung in Deutschland über das letzte Jahr hinweg verfolgt hat, wird als Versicherte unsicher sein. Während gesetzlich Versicherte überlegen, ob ein Wechsel in die PKV zumindest aus finanziellen Gründen noch sinnvoll ist, machen sich viele Mitglieder der privaten Versicherer bereits sorgen, ob in den nächsten Jahren das Beitragsniveau gehalten werden kann oder mit weiteren, stärkeren Anstiegen zu rechnen ist. Bei der Hauptversammlung des Marburger Bundes, dem führenden Organ für sämtliche Ärzte in Deutschland, machten sich diese für das aktuelle System der privaten Krankenversicherung stark. Mit einem ernsthaften Systemwechsel gegenüber dem heutigen Modell der gesetzlichen Krankenkassen und privater Versicherer rechnet von den Ärztevertretern dabei niemand.

Diskussion über die private Krankenversicherung gegeben

Zweifelsohne waren bei der Hauptversammlung, die im Rahmen der letzten Woche stattfand, das System der PKV ebenso wie die aktuellen Entwicklungen in den gesetzlichen Krankenkassen ein Thema. Dennoch wurde auf dem Ärztetag von verschiedenen Vertretern verdeutlicht, dass gerade das aktuelle System in den Augen vieler Ärzte für einen entsprechenden Wettbewerb im gesundheitlichen Bereich sorgt und so verschiedene Kosten überhaupt erst durch einen gesetzlichen oder privaten Versicherer zu übernehmen wären. Würde es zu einem einheitlichen System in der Krankenversicherung kommen, dürften sich Prozesse noch verschärfen, die heute bereits in Ansätzen aus dem vorherrschenden System bekannt sind. Das Leistungsspektrum einer einheitlichen Krankenversicherung dürfte sich auf einem eher gemäßigten Niveau einpendeln, stärker als heute müssten zusätzliche Leistungen dann aus der eigenen Tasche des Patienten hinzugekauft werden. Genau dies würde zu Lasten vieler Mitglieder der gesetzlichen Krankenkasse gehen, die sich entsprechende Leistungen kaum leisten dürften. Auch das Prinzip der Krankenzusatzversicherung müsste bei einer Zusammenlegung der heute vorherrschenden Systeme eine völlig neue Gestalt erhalten.

Schwächung der PKV auch Folge der Politik

Zahlreiche Ärzte sehen durchaus, dass verschiedene private Krankenversicherungen eher Schwierigkeiten haben, Leistungen zu einem gemäßigten Beitragssatz anzubieten als in vorherigen Jahren. Die finanziellen Entwicklungen im Bereich der PKV sind allerdings auch ein Ergebnis der politischen Weichenstellungen, durch die die gesetzlichen Krankenkassen begünstigt wurden. Ein gern gewähltes Beispiel ist das Angebot sogenannter Wahltarife, bei denen ein Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung verschiedene Leistungen gegen einen höheren Beitrag hinzukaufen kann. Genau dies ist eigentlich das Geschäftsfeld der PKV, die über Jahrzehnte hinweg alleine in der Lage war, mit Tarifen zur Krankenzusatzversicherung eine entsprechende Absicherung zu schaffen. Mit Spannung blicken somit nicht nur Millionen von Versicherten, sondern auch Abertausende Ärzte in Deutschland auf die Entwicklungen, die von den verschiedenen Systemen der Krankenversicherung in den nächsten Jahren vollzogen werden.