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Hamburg - Donnerstag, 19.08.2010

Zu hohe Kosten im Gesundheitssystem durch künstliche Gelenke

3,5 Milliarden Euro pro Jahr als zu hohe Ausgabe im Gesundheitssystem

Wer im Alter nichts von seiner Mobilität einbüßen möchte, wird nicht selten unglücklich über das Einpflanzen eines neuen Hüft- oder Kniegelenks sein. Der entsprechende Eingriff ist zwar kostspielig und verlangt von den Versicherten in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht selten einen Eigenbeitrag, dennoch erfreut sich diese Art der Operation große Beliebtheit. 400.000 neue, künstliche Gelenke werden pro Jahr in Deutschland eingesetzt – eine Quote, die im Vergleich zu anderen europäischen Ländern einen wahren Rekord darstellt. Wie eine aktuelle Studie der gesetzlichen Gesundheitskasse Barmer jedoch aufzeigt, sind nicht in allen Fällen derartige Eingriffe nötig – Eingriffe, die sich in Deutschland mittlerweile auf Ausgaben von 3,5 Milliarden pro Jahr für die gesetzliche Krankenversicherung aufsummieren.

Kritik der Krankenversicherung auf an den Ärzten

Die Kritik, die mit der Studie der Barmer einhergeht, richtet sich vor allem an die Ärzte, die in den Augen der Versicherer viel zu häufig die Leistung eines künstlichen Gelenkes verschreiben. Dieser Eingriff ist für den behandelnden Arzt meist sehr lukrativ, zudem würden Betriebe, die die entsprechenden Prothesen fertigen würden, ebenfalls am Eingriff mitverdienen. In nicht wenigen Fällen erfolgt jedoch die Verschreibung eines solchen Gelenk oftmals voreilig, ohne dem natürlichen Gelenk durch verschiedene Aufbaumaßnahmen noch einmal die Chance auf Heilung zu geben. Stattdessen würden sich viele Ärzte lieber dazu entscheiden, die in ihren Augen lukrativere Variante zu wählen und so Gelenke zu verschreiben, die aus medizinischer Sicht noch nicht notwendig sind. Wie die Barmer es anhand ihres eigenen Haushalts sowie dem der Gesamtbranche Gesetzlichen Krankenversicherung deutlich machte, machen heutzutage bereits zwei Prozent der Gesamtausgaben im Gesundheitssystem die Kosten für künstliche Gelenke aus.

Problemstellung auch in der Privaten Krankenversicherung nicht fremd

Eine ähnliche Stellungnahme gaben erste Vertreter auch im Bereich der Privaten Krankenversicherung ab. Zwar müsse hier kein Patient um die Ausführung der Operation fürchten, die im Normalfall finanziell auch im vollen Umfang durch die Private Krankenversicherung übernommen wird. Dennoch sei auch hier die Tendenz zu erkennen, dass in den letzten Jahren vermehrt Operationen zum Einführen künstlicher Gelenke durchgeführt würden – ein Trend, der auch die Kassen in der PKV nicht unberührt lässt und je nach Versicherer auch für einen Anstieg der monatlichen Prämie für die einzelnen Versicherten führen kann.