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Hamburg - Dienstag, 10.08.2010

Ärzte sehen Vorstoß Röslers mit gemischten Gefühlen

Attraktivität des Arztberufes nicht mehr so groß wie früher

Nach einem Vorstoß von Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP), in Kooperation von Bund und Ländern 1.000 neue Studienplätze für Mediziner zu schaffen, um einen drohenden Mangel vor allem an Landärzten zu bekämpfen, melden sich nun auch Ärzte selbst zu Wort und nehmen zu diesem Konzept stellen. Prinzipiell wird von der Branche ein solcher Vorschlag begrüßt, jedoch sei die Idee Röslers etwas am eigentlichen Ziel vorbeigeschossen, wie eine groß angelegte Umfrage von Ärzten im süddeutschen Raum ergab. Auch die Anregung für angehende Studenten der Medizin, finanzielle Vergünstigungen zu bieten sofern man sich direkt zu Beginn des Studiums auf einen späteren Einsatzort festlegen würde, sehen die Ärzte nicht als Lösung an, um den aufkommenden Problemen des Berufsstandes erfolgreich entgegenzutreten.

Arbeit im Krankenhaus für viele Ärzte attraktiver

Ein grundsätzlicher Tenor vieler frei behandelnder Ärzte war es, dass die Attraktivität einer eigenen Arztpraxis für viele Mediziner längst nicht mehr so groß sei wie vor einigen Jahrzehnten. Heutzutage ließe sich auch finanziell für den Berufsanfänger kein Unterschied mehr ausmachen, ob er nach dem Studium frei behandelnd in der eigenen Praxis tätig wird oder lieber seinen Arbeitsdienst in einer Klinik oder einem Krankenhaus verrichtet. Mit der Arbeit in der eigenen Praxis seien jedoch einige Risiken verbunden, die viele Mediziner heute nicht mehr eingehen wollten. Neben der Investition eigenen Startkapitals für die Praxis reizt viele Mediziner vor allem der geregelte Tagesablauf, der in einem Krankenhaus vorliegt. Bei kalkulierbaren und festen Arbeitszeiten und sicheren Urlaubstagen sei das Arbeiten hier deutlich entspannter möglich als in einer eigenen Arztpraxis, wo man jederzeit auf Abruf stünde. Das Problem als solches beträfe demnach nicht alleine nur Landärzte, sondern ist auch immer stärker in den städtischen Praxen erkennbar.

Hohe Alterung als Folgerung der aktuellen, strukturellen Entwicklungen

Eine logische Konsequenz, die viele Ärzte auch heute schon in ihrem Arbeitsumfeld erkennen können, ist das zunehmende Durchschnittsalter der frei behandelnden Ärzte. Da immer weniger jüngere Ärzte die eigene Praxis anstrebten, würde der Typ Hausarzt in den nächsten Jahren zunehmend veraltern. Da sich viele ältere Ärzte jedoch auch ihren Patienten verpflichtet fühlen und deshalb sehr spät und nur sporadisch in den Ruhestand können, würde auch nicht wirklich der Platz geschaffen für junge und motivierte Ärzte, die in freien Praxen ihr Glück versuchen möchten.